Was bestimmt den Aufwand eines Fassadenanstrichs?
Ein Fassadenanstrich ist Schutzschicht und Gestaltung zugleich. Ob ein neuer Anstrich genügt, entscheidet sich nicht an der Farbe, sondern am Zustand von Putz, Altbeschichtung, Anschlüssen und Sockel. In Stuttgart kommen je nach Lage Schlagregen, Verschattung, dichter Bewuchs und aufgeheizte Flächen zusammen. Deshalb beginnt eine sinnvolle Planung mit der Bestandsaufnahme.
Eine Fassade kann neu beschichtet werden, wenn Untergrund und Putz tragfähig sind und Feuchte- oder Rissursachen geklärt wurden. Reinigung, Reparaturen, Grundierung und Schlussbeschichtung müssen als zusammenhängendes System geplant werden.
Redaktion Malermeister Mede · Fachlich geprüft von Ramjan Mede, Maler- und Lackierermeister
Veröffentlicht am · Aktualisiert am · 11 Min. Lesezeit
Was wir für ein belastbares Angebot brauchen
Je genauer die Ausgangslage beschrieben ist, desto gezielter kann die Besichtigung vorbereitet werden. Diese Angaben helfen bei der ersten Einordnung:
- Fotos von allen zugänglichen Gebäudeseiten
- Geschosszahl und ungefährer Fassadenumfang
- Sichtbare Risse, Putzschäden oder Algenbefall
- Informationen zu Zufahrt, Gerüst und Grundstück
- Gewünschter Ausführungszeitraum
Was die Bestandsaufnahme klären muss
Vor der Reinigung wird die Fassade von mehreren Seiten betrachtet. Wetterseiten, geschützte Bereiche, Fensteranschlüsse, Vorsprünge und Sockel altern unterschiedlich. Verfärbungen unter Fensterbänken weisen auf andere Belastungen hin als flächiger Grünbelag an einer schattigen Nordseite. Risse entlang von Materialwechseln sind anders zu bewerten als ein feines, gleichmäßiges Netz in einer alten Putzoberfläche.
Danach folgen einfache Prüfungen an repräsentativen Stellen: Haftung der Altbeschichtung, Kreidung, Saugverhalten, Festigkeit des Putzes und Hohlstellen. Einzelne Probeflächen zeigen, wie Reinigung und Grundierung wirken. Erst aus diesem Bild lässt sich ableiten, ob eine Instandsetzung im Beschichtungsaufbau möglich ist oder ob Putz, Anschlussdetails oder Feuchteursachen weitergehend bearbeitet werden müssen.
Schadbild und nächste Prüfung
| Beobachtung | Mögliche Einordnung | Nächster Schritt |
|---|---|---|
| Kreidende Farbe | Bindemittel an der Oberfläche abgebaut | Reinigung, Festigkeit und Grundierbedarf prüfen |
| Grüne oder dunkle Beläge | Lange Oberflächenfeuchte, Verschattung oder Bewuchs | Ursache, Reinigung und Beschichtungskonzept klären |
| Feine Putzoberflächenrisse | Alterung oder Spannungen in oberflächennahen Schichten | Rissbreite, Tiefe und Bewegung beurteilen |
| Breite oder wiederkehrende Risse | Bewegung im Bauteil oder Anschluss möglich | Nicht nur überarbeiten; Ursache fachlich untersuchen |
| Abplatzungen am Sockel | Feuchte-, Salz- oder Spritzwasserbelastung möglich | Sockelaufbau und Geländeanschluss prüfen |
| Hohler Klang beim Abklopfen | Mangelnder Verbund im Putzsystem möglich | Bereich abgrenzen und Putzaufbau untersuchen |
Vom Bestand zum neuen Fassadenaufbau
- 01
Gebäude und Zugänglichkeit aufnehmen
Flächen, Geschosse, Anbauten, Leitungen, Pflanzen, Nachbargrenzen und sichere Arbeitsbereiche werden dokumentiert. Daraus ergibt sich das Gerüst- und Schutzkonzept.
- 02
Reinigen und trocknen lassen
Verschmutzungen und nicht tragfähige Bestandteile werden materialgerecht entfernt. Die Oberfläche muss vor weiteren Prüfungen ausreichend abgetrocknet sein.
- 03
Schäden instand setzen
Risse, Fehlstellen, Anschlussfugen und Putzreparaturen werden passend zum Bestand bearbeitet. Reparaturmaterial und Struktur sollen nicht als Fremdkörper im Endbild stehen.
- 04
Saugfähigkeit und Haftung egalisieren
Grundierungen werden nicht pauschal eingesetzt. Sie müssen zum mineralischen oder organischen Untergrund und zur nachfolgenden Beschichtung passen.
- 05
Beschichtung geschlossen ausführen
Zwischen- und Schlussbeschichtung werden in geeigneten Wetterfenstern ohne unnötige Ansätze ausgeführt. Details an Kanten, Öffnungen und Sockeln gehören zur Qualitätskontrolle.
Anstrich, Putzinstandsetzung oder WDVS?
Die drei Maßnahmen lösen unterschiedliche Aufgaben und sind nicht austauschbar.
- Putz und Altbeschichtung sind überwiegend tragfähig
- Eine systemgerechte Reinigung, lokale Reparatur und Neubeschichtung kann der richtige Weg sein.
- Putz weist viele Hohlstellen oder tiefe Schäden auf
- Die Putzinstandsetzung wird zum eigenen Arbeitspaket. Ein Anstrich allein stellt den Verbund nicht wieder her.
- Energetische Verbesserung ist ein Projektziel
- Dämmkonzept, Anschlüsse, Brandschutz und Förderreihenfolge müssen vor der Fassadengestaltung geplant werden.
- Feuchte tritt aus Bauteilen oder Anschlüssen ein
- Zuerst Ursache und Bauanschlüsse klären. Eine wasserabweisende Farbe ersetzt keine bauliche Reparatur.
Was in einem klaren Leistungsumfang steht
- Fassadenflächen und ausdrücklich einbezogene Bauteile
- Gerüst, Schutzdächer, Abdeckungen und Zugänglichkeit
- Art und Umfang der Reinigung
- Vereinbarte Riss- und Putzreparaturen
- Grund-, Zwischen- und Schlussbeschichtung
- Umgang mit Sockel, Fensterbänken und Anschlussfugen
- Farbtonabstimmung und gegebenenfalls Musterfläche
- Nicht enthaltene bauliche oder planerische Leistungen
Kontrolle und spätere Wartung mitdenken
Die Abnahme einer Fassade erfolgt aus üblichen Betrachtungsabständen und nicht nur direkt vor der Wand. Gleichmäßigkeit, Anschlüsse, Schutz angrenzender Bauteile und vereinbarte Reparaturstellen werden gemeinsam kontrolliert. Detailfotos vor dem Schließen einzelner Schichten helfen, später nachzuvollziehen, wie Anschlüsse und Rissbereiche bearbeitet wurden.
Auch eine fachgerecht ausgeführte Fassade bleibt ein bewittertes Bauteil. Laub, dichte Bepflanzung, defekte Fallrohre und dauerhaft nasse Sockelzonen sollten nicht bis zur nächsten großen Renovierung unbeachtet bleiben. Regelmäßige Sichtkontrollen machen kleine Veränderungen früh erkennbar und verhindern, dass ein lokales Anschlussproblem erst nach großflächigen Folgeschäden auffällt.
Grenzen einer Fassadenbeschichtung
Ein Beschichtungssystem kann Oberflächen schützen, aber keine konstruktiven Mängel, aufsteigende Feuchte oder aktive Bauteilbewegungen beheben. Bei breiten Rissen, dauerhaft feuchten Zonen, Salzbelastung oder großflächig hohlliegendem Putz ist eine weitergehende Untersuchung erforderlich.
Quellen und fachliche Hinweise
Muss eine Fassade vor dem Streichen gereinigt werden?
In der Regel ja, wenn Staub, Kreidung, Schmutz oder Bewuchs vorhanden sind. Verfahren und Intensität müssen zum Putz und zur Altbeschichtung passen.
Kann jeder Fassadenriss überstrichen werden?
Nein. Rissbreite, Tiefe, Verlauf und mögliche Bewegung müssen eingeordnet werden. Ein Beschichtungsaufbau eignet sich nur für dafür vorgesehene, begrenzte Rissarten.
Welche Fassadenfarbe ist die richtige?
Das hängt von Untergrund, Altbeschichtung, Feuchtebelastung, Bauart und gewünschter Optik ab. Silikat- und Siliconharzsysteme besitzen unterschiedliche Eigenschaften und Einsatzgrenzen.
Warum ist das Wetter bei Fassadenarbeiten wichtig?
Temperatur, direkte Sonne, Wind, Tau und Regen beeinflussen Trocknung und Filmbildung. Geeignete Wetterfenster sind Teil der Ausführungsplanung.
10 Min. Lesezeit
Fassadenrisse erkennen und beurteilen
Nicht die Breite allein, sondern Verlauf, Tiefe und Bewegung bestimmen den Umgang mit einem Riss.
Ratgeber zu Fassadenrisse erkennen und beurteilen lesen9 Min. Lesezeit
Algen an der Fassade entfernen
Reinigung wirkt nur dauerhaft, wenn Abtrocknung und Fassadenaufbau mit betrachtet werden.
Ratgeber zu Algen an der Fassade entfernen lesen8 Min. Lesezeit
Fassade streichen: Jahreszeit und Witterung
Ein geeignetes Wetterfenster dauert länger als der sichtbare Farbauftrag.
Ratgeber zu Fassade streichen: Jahreszeit und Witterung lesenAufwand und Ablauf sauber klären? Vor Ort besprechen.
Kurze Beratung, klare Einschätzung und danach ein schriftliches Angebot mit nachvollziehbaren Positionen.
Beratung anfragen