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Fachwissen Fassade · Stuttgart

Silikatfarbe oder Siliconharzfarbe: Untergrund entscheidet

Silikat- und Siliconharzfarben werden häufig beide als hochwertige Fassadenlösungen genannt, funktionieren aber nach unterschiedlichen Prinzipien. Entscheidend ist nicht, welches System allgemein besser klingt, sondern welches zum mineralischen oder beschichteten Untergrund und zur Belastung des Gebäudes passt.

Silikatfarben sind besonders für geeignete mineralische Untergründe interessant und verbinden sich dort über Verkieselung. Siliconharzfarben verbinden hohe Wasserabweisung mit Wasserdampfdurchlässigkeit und sind auf unterschiedlichen geeigneten Beständen einsetzbar. Die Altbeschichtung entscheidet mit.

Redaktion Malermeister Mede · Fachlich geprüft von Ramjan Mede, Maler- und Lackierermeister

Veröffentlicht am · 9 Min. Lesezeit

Vergleichsschaubild von Silikatfarbe und Siliconharzfarbe für Fassaden
Schematische Darstellung: Untergrund, Diffusionsverhalten, Wasserabweisung und Systemverträglichkeit entscheiden über die Auswahl.

Was wir für ein belastbares Angebot brauchen

Je genauer die Ausgangslage beschrieben ist, desto gezielter kann die Besichtigung vorbereitet werden. Diese Angaben helfen bei der ersten Einordnung:

  • Fotos von allen zugänglichen Gebäudeseiten
  • Geschosszahl und ungefährer Fassadenumfang
  • Sichtbare Risse, Putzschäden oder Algenbefall
  • Informationen zu Zufahrt, Gerüst und Grundstück
  • Gewünschter Ausführungszeitraum

Systeme sachlich vergleichen

MerkmalSilikatsystemSiliconharzsystem
BindungMineralische Reaktion mit geeignetem UntergrundOrganisch-mineralisches Bindemittelsystem je nach Produkt
UntergrundVor allem geeignete mineralische FlächenViele geeignete mineralische und organische Bestände
WasseraufnahmeSystem- und untergrundabhängigIn der Regel stark wasserabweisend
WasserdampfSehr diffusionsoffenHohe Wasserdampfdurchlässigkeit möglich
AltbeschichtungVerträglichkeit besonders wichtigTragfähige geeignete Altbeschichtung kann überarbeitbar sein
VerarbeitungUntergrund, Witterung und Schutz angrenzender Flächen beachtenSystemvorgaben und gleichmäßige Verarbeitung beachten

Altbeschichtung zuerst identifizieren

Eine mineralisch wirkende Fassade ist nicht automatisch unbeschichtet. Frühere Renovierungen können Dispersions-, Siliconharz- oder andere organische Schichten hinterlassen haben. Diese beeinflussen, ob ein Silikatsystem ausreichend mit dem Untergrund reagieren kann. Haftung, Saugverhalten und Materialverträglichkeit werden deshalb an Probeflächen geprüft.

Auch bei Siliconharzfarbe muss der Bestand fest, sauber und geeignet sein. Wasserabweisung ist kein Argument, Feuchte im Bauteil einzuschließen. Risse, Putzschäden und Hinterläufigkeit werden vor der Wahl des Schlussanstrichs behandelt.

Auswahl nach Bestand und Ziel

Die folgenden Regeln sind Orientierung; die konkrete Freigabe erfolgt am vorhandenen Aufbau.

Tragfähiger, geeigneter mineralischer Putz ohne störende Altbeschichtung
Ein Silikatsystem kann technisch und gestalterisch gut passen.
Tragfähige organische Altbeschichtung
Verträgliches Siliconharz- oder anderes geeignetes Renovierungssystem prüfen; Verkieselung nicht voraussetzen.
Hohe Schlagregenbelastung bei zugleich gewünschter Diffusionsfähigkeit
Wasserabweisendes, dampfdurchlässiges System anhand des konkreten Untergrunds auswählen.
Historische oder besondere mineralische Fassade
Materialgeschichte, Putz und denkmalpflegerische Anforderungen vor Produktwahl klären.

Systemwahl absichern

  1. 01

    Fassade kartieren

    Putzarten, Reparaturen, Wetterseiten und unterschiedliche Altbeschichtungen werden erfasst.

  2. 02

    Untergrund prüfen

    Haftung, Kreidung, Saugfähigkeit, Feuchte und Risse werden an mehreren Stellen untersucht.

  3. 03

    Anforderungen priorisieren

    Regenbelastung, Diffusion, Farbton, Struktur und Wartung werden für das Gebäude gewichtet.

  4. 04

    Systemaufbau festlegen

    Reinigung, Grundierung, Zwischen- und Schlussbeschichtung stammen aus einem abgestimmten Aufbau.

  5. 05

    Musterfläche beurteilen

    Haftung, Farbton, Struktur und Trocknungsbild werden unter realen Bedingungen geprüft.

Fragen an die Bestandsfassade

  • Welcher Putz liegt vor?
  • Welche Altbeschichtungen sind erkennbar?
  • Kreidet oder glänzt die Oberfläche?
  • Wie stark und gleichmäßig saugt sie?
  • Gibt es Feuchte, Algen oder Risse?
  • Welche Fassadenseiten sind besonders bewittert?
  • Sind Reparaturstellen materialgleich?
  • Welche Farbtöne und Hellbezugswerte sind vorgesehen?

Farbton und Witterung gehören zum System

Intensive oder sehr dunkle Farbtöne können sich stärker erwärmen und stellen je nach Putz- oder Dämmsystem besondere Anforderungen. Farbtonfreigaben, Grundfarbton und Anzahl der Lagen werden deshalb nicht getrennt vom technischen Aufbau betrachtet.

Silikatische Materialien benötigen geeignete Verarbeitungs- und Trocknungsbedingungen. Auch Siliconharzsysteme reagieren auf Regen, direkte Sonne, Wind und Tau. Die richtige Produktgruppe schützt nicht vor Fehlern durch ungeeignetes Wetter oder unterbrochene Flächenarbeit.

Technische Daten nicht auf ein Schlagwort reduzieren

Bezeichnungen wie diffusionsoffen oder wasserabweisend beschreiben keine vollständige Fassade. Für die Auswahl werden die konkreten Produktkennwerte, der vorgesehene Schichtaufbau und die Freigabe für den vorhandenen Untergrund zusammen gelesen. Eine Grundierung oder Zwischenlage kann das Verhalten des gesamten Aufbaus wesentlich mitbestimmen.

Wenn alte Reparaturstellen, verschiedene Putze und mehrere Beschichtungsarten zusammentreffen, kann eine Produktwahl ohne abgestimmte Vorbehandlung zu unterschiedlichen Trocknungsbildern führen. Probeflächen zeigen deshalb nicht nur den Farbton, sondern auch Saugverhalten, Deckvermögen und Oberflächenwirkung. Sie werden auf einer tatsächlich repräsentativen Fassadenzone angelegt und nach vollständiger Trocknung beurteilt. Erst dann zeigt sich, ob Glanz, Struktur und Farbton im Bestand gleichmäßig wirken.

Zur Dokumentation gehören Produktbezeichnung, Verdünnung, Grundierung, Werkzeug und Wetterbedingungen der Musterfläche. Ohne diese Angaben lässt sich ein gutes Ergebnis später nicht zuverlässig auf die Gesamtfläche übertragen. Besonders bei kräftigen Farbtönen und wechselnden Untergründen wird außerdem festgelegt, ob eine getönte Grundbeschichtung notwendig ist und wie zusammenhängende Fassadenseiten ohne Ansätze bearbeitet werden.

Diffusionsoffen ist kein Freibrief

Eine hohe Wasserdampfdurchlässigkeit behebt keine aktive Durchfeuchtung und ersetzt keine dichten Anschlüsse. Ebenso bedeutet wasserabweisend nicht, dass Wasser hinter einer Beschichtung unschädlich bleibt. Feuchtewege und Bauteilzustand werden vor der Materialwahl geklärt.

Quellen und fachliche Hinweise

Häufige Fragen

Ist Silikatfarbe immer besser für Altbauten?

Nein. Sie benötigt einen geeigneten mineralischen Untergrund. Vorhandene organische Beschichtungen oder besondere Putze können eine andere Lösung verlangen.

Ist Siliconharzfarbe dampfdicht?

Geeignete Siliconharz-Fassadenfarben können wasserabweisend und zugleich wasserdampfdurchlässig sein. Die konkreten Kennwerte hängen vom Produkt ab.

Kann Silikatfarbe auf Dispersionsfarbe gestrichen werden?

Eine reine Verkieselung ist auf organischen Altbeschichtungen nicht selbstverständlich. Untergrund und dafür freigegebenes System müssen konkret geprüft werden.

Welche Farbe schützt besser gegen Algen?

Befallsrisiko hängt stark von Oberflächenfeuchte, Lage und Details ab. Beschichtungseigenschaften sind nur ein Teil des Konzepts.

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